Zwei Feuerländer im Vergleich

Wir sind eines von vielen Völkern, das bestrebt ist, sich auszubreiten. Leider sind wir nicht flexibel genug, um uns an die Bedingungen anderer Lebensräume anzupassen, so dass wir daher die Umgebung an uns anpassen – wir terraformen.

Diese Kurzbeschreibung trifft sowohl auf das Spiel „Terra Mystica“, als auch auf das Spiel „Gaia Project“ zu.

„Terra Mystica“ ist ein Spiel von Helge Ostertag und Jens Drögemüller, mit Illustrationen von Dennis Lohausen, erschienen im Jahr 2012 beim Verlag Feuerland. Auf dem Schachtelrücken sind viele Preise abgebildet, die TM eingeheimst hat: u.A. den 1. Platz beim Deutschen Spielepreis im Jahr 2013 und den Internationalen Spielepreis 2013. Bei Boardgamegeek hält es sich auch schon lange in den Top 10 (momentan Platz 8), was für TM spricht, wenn man bedenkt, wie viele Spiele jährlich erscheinen. Es ist quasi ein „must have“ im Spielregal, wenn man sich den komplexeren Spielen zuwenden möchte.

2014 ist dazu die Erweiterung „Feuer & Eis“ erschienen, welches u.A. 6 weitere Völker, ein beidseitiges Spielbrett (die Landschaften sind anders angeordnet) und zusätzliche Plättchen für die Schlusswertung mit sich bringt.


„Gaia Project“ ist der 2017 erschienene Nachfolger von TM. Es waren dieselben Autoren und derselbe Illustrator am Werk und auch am Verlag hat sich nichts geändert. Doch während wir bei Terra Mystica eine „geheimisvolle Welt“ besiedeln, führt uns Gaia Project weit hinaus in das Weltall.

Bei den Spielen gibt es 7 Heimatlandschaften (TM), bzw. 7 Heimatplanteten (GP) und jeder dieser Landschaften/Planeten sind 2 Völkern zugeordnet – insgesamt also 14. Jedes Völkchen hat seine ganz eigenen Fähigkeiten und Eigenschaften, so dass man sich diese auf jeden Fall in aller Ruhe durchlesen sollte, denn für jedes Volk braucht man eine andere Strategie.

Im Laufe des Spiels stehen uns verschiedene Aktionen zur Verfügung – wir müssen Häuser/Minen bauen; dafür müssen wir die Landschaft/die Planeten terraformen, also für unser Volk bewohnbar machen, wir müssen unsere Gebäude aufwerten, um an Gunst/Technologien und weiteres Einkommen heranzukommen. Das Geld/ die Credits und die Arbeiter/das Erz sind irgendwie ständig zu knapp und die Macht… ach, davon könnte man auch mehr gebrauchen.

Beide Spiele enden nach der 6. Runde; jede Runde dauert so lange, bis alle Spieler ihre Aktionen dürgeführt haben und passen.

Auf die einzelnen Aktionen werde ich jetzt nicht weiter eingehen – das würde den Rahmen sprengen. Stattdessen folgen jetzt erstmal einige Bilder mit kurzen Beschreibungen.

Wie man sieht, bestehen zwischen beiden Spielen sehr viele Gemeinsamkeiten. Doch was sind die Unterschiede, abgesehen von der Optik?

Gaia Project bietet z.B. einen Solo-Modus an. Ob der was taugt, kann ich nicht sagen. Weder mein Freund noch ich spielen Brettspiele alleine. Gaia Project bietet außerdem für 2 Spieler den Vorteil, dass die Größe des Spielfeldes angepasst werden kann. Da die einzelnen Teile (Sektoren) zudem variabel aufgebaut werden können, ist der Spielplan nicht statisch, wie bei Terra Mystica. Durch die Erweiterung „Feuer & Eis“ hat man dort aber immerhin die Auswahl zwischen 3 Spielplänen. Die Lösung mit dem variablen Spielplan finde ich allerdings besser. Gerade wenn man zu zweit spielt, neigt man bei statischen Spielplänen dazu, doch meistens im gleichen Bereich anzufangen, während man bei einem variabel aufgebauten Plan seine Figuren doch auch mal woanders hinstellt.

Die Regeln bei Terra Mystica sind unserer Meinung nach für ein komplexes Spiel einsteigerfreundlich. Das Spiel ist zwar durch die verschiedenen Aktionsmöglichkeiten komplex, aber die Regeln lassen sich dennoch gut erklären.

Die Regeln von Gaia Project sind an sich nicht so viel komplizierter geschrieben, aber es kommen viele ungewohnte Begriffe vor, wie z.B. „Transdim-Planeten“, „Gaiaformer“, „Q.I.C.“. Als neue Phase kommt bei GP die „Gaia-Phase“ hinzu und auch ein paar Aktionen sind neu. Dadurch wird das Spiel komplexer als Terra Mystica und obwohl wir zu den Vielspielern gehören, tun wir uns mit Gaia Project immernoch schwer.

Was mir aber aufgefallen ist, ist dass es bei Gaia Project wesentlich einfacher ist, mehrere Allianzen zu gründen; also mindestens 2, während wir bei Terra Mystica meistens nur eine Stadt schaffen und uns für die 2. Stadt noch eine Spielrunde gefehlt hätte.

Das liegt daran, dass man sich bei Terra Mystica nunmal über das Land fortbewegt und wenn irgendwo ein Haus im Weg steht, dann muss man eben drumherum terraformen, oder die Schifffahrt verbessern, um sich über die Flüsse weiter ausbreiten zu können. 

Bei Gaia Project muss man aber nicht Feld für Feld umgraben, sondern es kommt auf die Reichweite an. Dabei ist es auch egal, wenn sich eine fremde Mine im Weg befindet – so kann man sich einfacher zu Sektoren bewegen, in denen das Terraformen weniger kostet. Über leere Weltraumfelder lassen sich die eigenen Gebäude durch Satelliten verbinden, so dass man auch seine Allianzen schneller gründen kann. Bei Terra Mystica hat man eine Stadt, wenn die Gebäude direkt benachbart sind. Hat man sein Startgebäude in einen Bereich gestellt, wo das Terraformen teuer ist, dann muss man viel mehr Runden dafür nutzen, um die benötigten Ressourcen für das Umwandeln und Bauen zusammen zu bekommen.

Die Fähigkeiten der einzelnen Völker sind bei Terra Mystica gut zu verstehen und auch die Symbolik auf den Tableaus ist eindeutig. Desweiteren finde ich die Völker bei TM wesentlich sympathischer, als die bei Gaia Project. Die Fähigkeiten mancher Allbewohner sind beim ersten Lesen nicht unbedingt auf Anhieb zu verstehen/ zu merken, so dass ich eher dazu neige, mir ein Völkchen mit kurzen Eigenschaften herauszusuchen, während ich bei Terra Mystica inzwischen fast jedes Volk einmal gespielt habe.

Ein weiterer großer Unterschied ist das Forschungstableau bei Gaia Project. Durch das Einsetzen von Wissen kann man seine Figuren gezielt in den einzelnen Bereichen aufsteigen lassen. Das finde ich ganz gut, auch wenn es wiederum unübersichtlich ist, dass man so z.B. in der Einkommensphase nicht nur auf das eigene Spielertableau schauen muss, sondern auch darauf achten muss, wo die Spielfiguren auf den Forschungsleisten stehen.  Der Kultplan bei Terra Mystica diente nur dem generieren von Siegpunkten am Spielende und ansonsten hat man während des Spiels beim Überschreiten bestimmter Stufen Macht als Einkommen erhalten.

Apropos Macht- während bei Terra Mystica die Macht, die man zu Beginn des Spiels hatte, weitestgehend gleich bleibt, ist sie bei Gaia Project veränderlich. Man kann Machtsteine in den eigenen Pool dazubekommen und man muss sie auch mal komplett vom eigenen Tableau entfernen um z.B. Satelliten zwecks Allianzgründung einsetzen zu können.

Bei Gaia Project ist vieles so, wie bei Terra Mystica und vieles auch wiederum ganz anders, sogar besser. Doch ich werde mit Gaia Project einfach nicht warm – das Original hat für mich einfach mehr Charme und ist genau das richtige Spiel, wenn man nichts supereinfaches, aber auch nix allzu kompliziertes spielen möchte.

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